Natürlich Jeck beim Karneval

Natürlich Jeck mit ernstem Anliegen:
Mit Blumensamen und Tierkostümen mehr Umwelt nach Düsseldorf bringen

Einsatz für die Umwelt und Feiern mit Düsseldorfer Frohsinn – das lässt sich überzeugend verbinden. Die Fußgruppe „Natürlich Jeck“ möchte dies auf dem Düsseldorfer Rosenmontagsumzug mit ausgefallenen Kostümen und einem großen Pappmaschee-Baum humorvoll beweisen.

Der Baum wurde mit Hilfe des Jacques-Tilly-Teams erbaut und auch in die Kostüme haben die jecken Umweltengagierten viel Mühe gesteckt. So werden heimische Tierarten dargestellt, die vom Aussterben bedroht sind, wie Spinnen, Libellen, Fledermäuse, Frösche und Regenwürmer, daneben auch der „Vogel des Jahres 2018“, der Star.

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Die als Natur verkleidete Fussgruppe »Natürlich Jeck« zieht den Baum auf einem Wagen.

Unser Bewerbungsbild mit einer Zeichnung von mir für unsere Fussgruppe „Natürlich Jeck“ beim Rosenmontagsumzug beim Düsseldorfer CarnevalsComitee. 

Jeck erst recht – einfach machen!

Das Karnevalsmotto 2018 „Jeck erst recht“ passt super zu unserem Vorhaben. Denn wir sind alle keine organisierten Karnevalisten und unsere Idee, das Umweltzentrum mehr in das Bewusstsein der Düsseldorfer*innen zu bringen, entstand recht spontan. Erst im September fand sich unsere Kernteam (Iris, Jürgen, Gunnar und ich – mit Katja vom UiZ), wir bewarben uns beim Comitee und ab dann nahm unser Vorhaben „Natürlich Jeck“ rasant an Fahrt auf – und bleibt spannend! :-)

Meine Zeichnung dient auch als Anregung für Mitgeher wie auch unsere Besucher beim Zug, sich ebenfalls von der Natur inspirieren zu lassen und z.B. als Pflanze oder Tier zu gehen. Das wäre doch klasse: eine Gruppe Schmetterlinge, Marienkäfer, oder für die, die eher dunkle Kleidung bevorzugen: Fledermäuse, Spinne oder Maulwurf.Beim Hoppeditzerwachen habe ich bereits etliche als Tiere verkleidete Jecken auf unsre Fussgruppe angesprochen: Rehe, einen Waldkauz, eine Gärtnerin (mit Blumen-Badekappe und Dekoblumen an der Jacke ;-), Bienen, Schmetterlinge usw. Als passionierte Wassersportlerin habe ich den Traum, daß auch Taucher beispielsweise als Frösche, die Umwelttaucher/Kartierer als Edelkrebse oder Flusspermuscheln (Motto: schickmachen für die Kö!) oder als Fische zum Zug kommen (wie wär es mit heimischen Arten wie Karpfen, Hecht, Maifisch, Rheinlachs, usw.)! Gemeinsames Erkennungszeichen aller Jecken (Mitgeher wie Freunde am Wegesrand) wird auch eine rote Clownsnase, roter Punkt auf Nase oder roter Schnabel sein, ebenso wie ein grünes Blatt!

Erkennungszeichen Natürlich Jeck ist ein grünes Blatt mit dem Logo vom Umweltzentrum und eintragbarem Namen.

Erkennungszeichen Natürlich Jeck: Das grüne Blatt.

Auf der Seite vom Umweltzentrum ist dieses Blatt als PDF ladbar (im Format DIN  A4), das Logo stammt übrigens nicht aus meiner Feder, aber Konzept & Umsetzung der Blattgestaltung mit Schrift usw. Auch kann jeder, wenn er die Datei im Acrobat Reader öffnet, unterhalb des gelben Schriftzugs noch in einem Formularfeld einen Namen eingeben (z.B. von einer Umweltinstitution, Text sogar bis zu zwei Zeilen). Es gibt auch eine farbschonende SW-Version für einen Druck z.B. auf grünem Papier.

Statt Kostümen von der Stange freuen wir uns auch über Umsetzung mit Recycling-Material (z.B. durch Umarbeiten alter Textilien oder auch wiederverwendbarem Material), das schont nicht nur den Geldbeutel, sondern macht auch viel Spaß! An einem Rucksack oder leichten Beutel kann man übrigens leicht gebastelte Flügel (z.B. gedrahtet aus Metall-Bügeln von Hemden mit etwas Gaze, altem Schleier etc.) befestigen, ein mit Bläschenfolie ummantelter Fahrradhelm wird zum Insektenkopf und aus einem Stück Schaumbodenmatte (Trittschalldämmung, günstiger als Isomatte!) wird ein Insektenpanzer. Vogelfedern und Fischschuppen kann man gut als Stofflappen in Ziegelform auf Stoff aufnähen oder man befestigt etwas Federboa an seiner Kleidung!

Der fertige Pappmaschee-Baum auf dem Hänger, Foto: Naemi Reymann

Bereits im Oktober haben wir in zahlreichen Arbeitstunden immer wieder in kleinen Teams mit zwei bis vier Personen am Baum gebaut. Zahlreiche Arbeitsschritte waren für die Umsetzung nötig, das Gerüst besteht aus Holz (Dachlatten) und Maschendraht. Die zahlreichen Klebebandstreifen dienen dem aufzulegenden Papier als Halt.

Foto Konstruktion Baum: gedrahteter Maschendraht auf Holz mit Klebestreifen.
Die Baumkrone besteht aus einer Lage von in Knochenleim getränktem Blumenpapier.

Helfende Hände bringen Stofflappen auf den Stamm des Pappmaschee-Baums auf. Foto: Naemi Reymann

Den Stamm haben wir zusätzlich mit Stofflappen und erneut mit Papier verstärkt!

Foto: grüne und schwarzer Farbtopf und Detail Maschendraht. Foto: Naemi Reymann

Danach folgten zahlreiche Farbaufträge – und immer wieder Grundieren mit Weiss, damit die Farben schön leuchten!

Mitarbeiter des Teams von Jacques Tilly (großer Dank nochmal an Jacques sowie Laura, Svenja und David!) standen mir und meinen Mitbauern (Gunnar, Katja, Jeannette, Inga, Anja und Jan-Philipp) dabei immer wieder mal mit guten Tipps zur Seite! Als Designerin ging für mich mit diesem Projekt auch ein Traum in Erfüllung: Aus dem Ruhrgebiet stammend eher mit westfälischem Karneval großgeworden, bewunderte ich zur Studiumszeit in Braunschweig an der Kunsthochschule die schönen Wagenfiguren der freien Künstler für den Umzug (Braunschweig gilt als größte Karnevalshochburg in Norddeutschland). Seit ich in Düsseldorf lebe, verfolge ich, was aus der Hand von Jacques Tilly entsteht – und, wie er Figuren und Situation mit Karikaturen gekonnt auf den Punkt bringt!

Umbaute Luft – Abrüstung mit Material

Diese Bezeichung der Arbeitsweise stammt von Jacques Tilly und trifft es auf den Punkt! Die Plastiken sind ziemlich leicht für ihre Größe und sehr stabil! Die Workshops zum Bau von Großplastiken, die der berümte Wagenbaumeister immer wieder auch Interessierten anbietet, sind übrigens sehr klasse. Sie sind jedem zu empfehlen, der/die sich für diese alte Bühnenbautechnik interessiert. Unter den Teilnehmern waren Leute, die sich an einer kleinen Figur für ein Karnevalsprojekt, Dekoration (für Garten) oder auch im professionellen Umwelt (z.B. Bühne Auftritt)  versuchen wollten. Meist schafft man angesichts der vielen spannenden Informationseinheiten in der „Wochenend-Schule“ das stabile, aber leichte Gerüst. Damit kein falsches Bild entsteht: Beim Wochenend-Workshop werden üblicherweise Figuren bis etwa 1,50 m gebaut, der Begin unseres Projekts mit dem großen Baum war hier eine ganz große Ausnahme! Von daher noch einmal großes Danke! Man kann aber auch dem Meister entsprechend beauftragen, er fertigt auch Plastiken für Präsentationen, TV-Shows und verschiedenste Anwendungsgebiete (auch für längeren Ausseneinsatz).

Viele Figuren in anderen Karnevalshochburgen werden größtenteils in andereren, oft weniger umweltfreundlichen und langwierigeren Techniken gefertigt (viel mit zeitintensivem Abschleifen und Modellieren mit Styropor oder anderem Material, wie z.B. Papier mit Kleister.

Gemeinsam viel erreichen – Netzwerke(n)

Statt wie auf meiner ersten Zeichnung, wird unser Baum nun beim Zoch von einem gasgetriebenen Fahrzeug gezogen. Oder sogar von einem eAuto: Vielleicht mag jemand ein passendes eAuto uns für Rosenmontag zur Verfügung stellen? Das wäre phantastisch! Seinen ersten kleinen Umzug machte der Baum bereits auf einem Hänger von Jo (der Baum war für den aus Gunnars Netzwerk African Afforestations Association für den Transport zur Verfügung gestellten großen Sprinterleider zu riesig! Diese Feststellung machen übrigens so manche Grossplastiken-Bauer an der Wagenbauhalle). Nun steht unser Apfelbaum auf der Seite – bis zu seinem großen Tag in der Garage der Naturfreunde Gerresheim

Statt Kamelle für Karies: Seedbombs für Insekten!

Foto Saatkugeln liegen zum Trocknen auf Backblech, dahinter Plakat Umweltzentrum. Foto (Naemi Reymann) entstand bei Aktionstags Ausstellung »einfach machen!«.

1.000 selbstgemachte Samenbällchen sowie 5.000 Tütchen mit Blumensamen werden beim Rosenmontagsumzug von der Fußgruppe an die Zuschauer am Rand verteilt. Gebastelt wurde ein Teil der Saatkugeln beim Aktionstag der Ausstellung „einfach machen!“, die die Arbeitsgruppe Nachhaltiger Konsum der Lokalen Agenda Düsseldorf initiiert hatte. Damit können alle das Anliegen der Gruppe unterstützen, mehr Umwelt in die Stadt zu bringen. Zusätzlich wird noch Schokolade aus fairem Handel verteilt. Die Fußgruppe hat sich den passenden Namen „Natürlich Jeck“ gegeben.

Um „Natürlich Jeck“ noch weiter bekammt zu machen, haben Gunnar und ich einen Artikel für das Düsseldorfer Umweltmagazin „grünstift“  geschrieben. Das Heft liegt kostenfrei an vielen Orten in der Stadt aus. Der Artikel steht bei grünstift im PDF-Heft, eine Kurzversion (als PDF) gibt esauch auf der UiZ-Seite. Falls jemand nun meint, beim Heft lägen Clownsnase & Seedbomb-Tüte dabei: Um die rote Nase kümmert sich jeder Jeck selbst und die Saatkugeltüte (hier auf Bild Vorentwurf) gibt es dann beim Zug! ;-)Abbildung Geöffnetes Heft und Cover Umweltmagazin »grünstift« auf Tisch. Danbeen rote Clownsnase und Saatguttüte »Natürlich Jeck«. Foto: Naemi Reymann

Dann informierten sich Iris und ich bei einer Vorbesprechung mit dem organisierenden Düsseldorfer CarnevalsComitee und allen beteiligten Vereinen über Abläufe,  Sicherheit und weiteres Organisatorisches. Es ist wirklich sehr professionell alles organisiert! Und wir stellten uns bei der WDR-Moderatorin Janine Kemmer vor. Sie und Sven Lorig moderieren zum zweiten Mal nun den Düsseldorfer Rosenmontagszug. Wir fanden es klasse, daß sie da war und es Gelegenheit zum kurzen Gespräch gab. Lustigerweise waren bei diesen Treffen mit den beteiligten Karnevalsvereinen anscheinend nur wir beiden natürlichen Jecken in Kostümierung erschienen…

Bei einem Workshop am 24. Januar traf sich ein kleiner Teil der Gruppe  und überlegte Umsetzungen für Kostüme, Hängergestaltung, Pressearbeit usw. Das ganze Projekt läuft bisher rein ehrenamtlich und wir freuen uns über Unterstützung jeglicher Art. Und wenn es nur jemand ist, der z.B. beim Wagenaufbau am Rosenmontag ein paar Krapfen mitbringt! Wir freuen uns, daß uns beim Zug Sambamusiker musikalisch unterstützen! Wie bereits am Aktionstag hat auch hier wieder Jürgen sehr schöne Fotoeindrücke von gemeinsamen Aktivitäten der Gruppe erfasst (einige sieht man auf der UiZ-Seite). Er kümmert sich u.a. auch um weitere Kontakte zur Presse.

Noch was zum Thema Nachhaltigkeit: Im Gegensatz zu vielen Grossplastiken und anderen Dekorationselementen, die nach ihrem Karnevalsauftritt wieder zerstört oder zumindest massiv umgearbeitet werden, soll unser Baum später einen festen Standort erhalten. Auch das ein Element nachhaltiger Gestaltung, das mir neben dem Einsatz umweltfreundlicher Materialien als Gestalterin sehr nahe kommt: Längere Lebenszyklen für Produkte als eine Form praktischer Nachhaltigkeit! Je früher der finale Standort für den Baum gefunden wird, desto besser:

Abbildung Umweltzentrum, www.umweltinszentrum.de Das UiZ-Logo ist fertig, der Standort wird noch gesucht!

Ein gemeinsames Umwelthaus für Düsseldorf

Umwelt ins Zentrum“ – wiederum ist die Forderung von unterschiedlichen lokalen und landesweiten Organisationen, Unternehmen, Verbänden und Einzelpersonen. Sie alle wollen in Düsseldorf ein ökologisch nachhaltiges Leben für uns heute und für zukünftige Generationen verankern, sichtbar machen und umsetzen.

Die Vision ist dabei konkret ein gemeinsames Haus im Zentrum von Düsseldorf. Von dem aus werden Themen wie Umwelt und Nachhaltigkeit in und mit der Stadt durch Veranstaltungen, Ausstellungen und Aktionen, ebenso durch Vernetzung, in die Öffentlichkeit getragen. Das Haus soll bereits durch urbane Bepflanzung und umweltverträglichem Bauweise als Ort von „Nachhaltigkeit im Zentrum“ Besucher und Bürger einladen, sich mit dem Thema Nachhaltigkeit zu beschäftigen. Bisher wurde noch kein geeignetes Gebäude im Zentrum der Stadt gefunden. Die Fußgruppe „Natürlich Jeck“ möchte somit die Suche nach einem gemeinsamen Haus bestärken und freut sich schon sehr auf die jecken Düsseldorfer und Düsseldorferinnen beim Rosenmontagszug.

Nachtrag (29.1.2018): Wir überlegen, uns nach dem Umzug mit unserem Baum im Florapark zu treffen (an der Bachstraße naher Bilker Arkaden löst sich der Zug auf) – weitere Infos folgen. Am besten immer wieder mal auf die UiZ-Webseite schauen!

Mehr Informationen zu Umwelt ins Zentrum:
Ein Projekt der Stadt Düsseldorf und Düsseldorfer Initiativen.
Gefördert durch die Stiftung Umwelt und Entwicklung NRW, Merowingerstr. 88, 40225 Düsseldorf – Tel.: 0211-330737 Ansprechpartner: Stephan Kadelke

www.umweltinszentrum.de

Bericht & alle Abbildungen: Naemi Reymann – mit Details aus unserer Pressemitteilung.

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